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Historische Ansicht des Steins in Wörlitz
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Pressemitteilung vom 01. September 2005

Die Eruption

Wiedereröffnung der Felseninsel »Stein«

Einladung zu einer Illusion – Vulkaneruptionen vorhergesagt


»Gärtner, Maler, Philosophen, Dichter gehet nach Wörlitz«
(Gartenkenner Fürst Charles Joseph de Ligne, 1735–1814)

Diese Aufforderung ist um Vulkanologen und Pyrotechniker zu erweitern, denn in der Zeit vom 1. bis 4. September 2005 wird von der Kulturstiftung DessauWörlitz die Felseninsel »Stein« feierlich eröffnet. Es gibt kulturell etwas ganz Besonderes zu erleben.

Nach einer über 200-jährigen Ruhe des Vesuvs zu Wörlitz sagen die örtlichen Vulkanologen Eruptionen an diesen Eröffnungstagen mit einer an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit voraus. Der genaue Zeitpunkt ist jedoch noch nicht bestimmbar. Werden sie zur blauen Stunde geschehen, wo die Sonne des Tages mit ihrer letzten Kraft den Horizont in besonderen Farben zeichnet oder werden Eruptionen mit einem Lichtspiel des Feuers in die schwarze Nacht gesetzt? Man weiß es nicht genau. Eines weiß man aber sehr genau: Er wird …..

Die Aufgabe, den Vesuv zu Wörlitz nach seiner bautechnischen Restaurierung wieder in Betrieb zu nehmen, ist Auszeichnung und Verpflichtung zugleich. Aber der Umgang mit diesem einzigartigen Kulturgut von Weltrang hat es in sich, wenn die gebotene Seriosität auch eingelöst werden soll. Der Bestand, das Instrumentarium zur Erzeugung der Illusion eines Vulkanausbruchs ist dokumentiert: Eine große Brennkammer in der Spitze des Kraters, drei Nebenbrennkammern sowie ein Becken, aus dem Wasser fließt, wenn der Ausfluss eines Lavastroms simuliert werden soll. Es gibt kaum historische Beschreibungen über die Funktionsweise der Baulichkeiten. Wohl aber den Wunsch, den Vulkan in Anlehnungen an Darstellungen aus damaliger Zeit zur Eruption zu bringen. Zur Verfügung stehen Stiche aus damaliger Zeit und ein paar bruchstückhafte Beschreibungen historischer Ausbrüche von Carl August Boettiger 1797, August Rode 1798 und Fürst Charles Joseph de Ligne 1799: Sie berichteten von gewaltigen Herdkammern mit großen Schlothöhen, von einem riesigen Wasserbecken, um gewaltige künstliche Lavaströme fließen lassen zu können.

Soweit die Fakten. Aber welche Brennmaterialien wurden verwendet, welche Beigaben wurden dem Feuer zugegeben, um freundlich stimmende, helle Wolken über den Vulkan aufziehen zu lassen oder um tiefschwarze Vulkanemissionen, die einen Ausbruch ankündigen, zu simulieren? Wie wird im Dom des Vulkans die Feuersbrunst geschürt, um die Feuererscheinungen und den Vulkanauswurf dazustellen? Wie kann das Ausströmen von Lava mittels eines Wasserfalls simuliert werden, wo jeder zu wissen meint, dass Lava sehr viel langsamer strömt, als Wasser aus dem Reservoir fließt?

Einige Phasen der Eruption lassen sich gut nachvollziehen und simulieren, auch wenn

das Verbrennen von Pech, Schwefel, Teer und Baumharzen aufgrund geltender Umweltbestimmungen untersagt bleiben muss. Es gibt noch sehr viele Fragen, auf die Antworten gefunden werden müssen. Die Forschung gehört zur Inbesitznahme dieses Denkmals der Kulturgeschichte.

Es gibt die kleinen und größeren Geheimnisse der Pyrotechniker, die jetzt nur eines verraten: Gefeuert wird mit harzhaltigen Reisern, damit heiße Flammen eine starke Konvektion erzeugen, die die Brandgase hoch in Atmosphäre trägt. Alles weitere muss noch so nebulös bleiben, wie die Sicht durch die Gase des Vulkans zu Wörlitz selbst, bis zur Eröffnung.

Wenn Sie eine pinienförmige Wolke am Firmament erkennen, dann haben die Pyrotechniker Ihnen eine besondere Eruption verwirklicht. Wie schön oder gefährlich muss ein Vulkan wirken? Bilder von Eruptionen des Vesuvs gibt es seit dem 18. Jahrhundert reichlich, authentische Beschreibungen weniger. Also wird man den Versuch unternehmen, die erste verfügbare Beschreibung zu lesen und die Speisung der Feuerkammern mit Materialien damaliger Zeit vornehmen, sofern sie mit den heutigen Umwelt- und Sicherheitsstandards vereinbar sind.

Aus den Briefen Plinius des Jüngeren über den Vulkanausbruch im Jahre 79 n. Chr.
Quelle: Epistulae, 16 ; Plinius d.J. an Tacitus

Gatus Plinius Secundus (Plinius der Altere) war Admiral der römischen Flotte in Misenum. Sein siebzehnjähriger Neffe (Plinius der Jüngere) weilte mit seiner Mutter bei ihm zu Besuch.

Es war am frühen Nachmittag, als die Frau des Admirals diesen auf eine dicke Wolke aufmerksam machte, die über dem östlichen Ende der Bucht hing. Jahre später berichtete Plinius der Jüngere in seinen berühmten Briefen an den Geschichtsschreiber Tacitus über die darauf folgenden Ereignisse:

»Er, Plinius der Ältere, war in Misenum und führte persönlich das Kommando über die Flotte. Am 24. August etwa um die siebente Stunde ließ meine Mutter ihm sagen, am Himmel stehe eine Wolke von ungewöhnlicher Gestalt und Größe Er hatte sich gesonnt, dann kalt gebadet, hatte liegend einen Imbiss genommen und studierte jetzt. Er ließ sich seine Sandalen bringen und stieg auf eine Anhöhe, von der aus man das Naturschauspiel besonders gut beobachten konnte Es erhob sich eine Wolke, für den Beobachter aus der Ferne unkenntlich, auf welchem Berge (später erfuhr man, dass es der Vesuv war), deren Form am ehesten einer Pinie ähnelte. Denn sie stieg wie ein Riesenstamm in die Höhe und verzweigte sich dann in eine Reihe von Ästen, wohl weil ein kräftiger Luftzug sie empor wirbelte und dann nachließ, so dass sie den Auftrieb verlor oder auch vermöge ihres Eigengewichtes sich in die Breite verflüchtigte, manchmal weiß, dann wieder schmutzig und fleckig, je nachdem ob sie Erde oder Asche mit sich empor gerissen hatte.

»Als einem Mann mit wissenschaftlichen Interessen erschien ihm die Sache bedeutsam und wert, aus größerer Nähe betrachtet zu werden. Er befahl, ein Boot bereitzumachen, mir stellte er es frei, wenn ich wollte, mitzukommen. Ich antwortete, ich wolle lieber bei meiner Arbeit bleiben, und zufällig hatte er mir selbst das Thema gestellt.«

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Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Spyra,
BTU Cottbus, Lehrstuhl Altlasten
Siemens-Halske-Ring 8
03046 Cottbus
Tel.: 03 55-69 31 61
Das Buch zum Thema

DER VULKAN im Wörlitzer Park


© Alle Rechte vorbehalten.
Dieses Buch enthält Essays international renommierter Autoren zu Themen seiner Geschichte, aber auch der Malerei, Literatur, der Gartenkunst und des Vulkanismus. Und es berichtet von den aufwändigen Restaurierungsarbeiten der Felseninsel »Stein«.
ISBN 3-89479-268-x
24,90 €
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